Hey, Hey, Hey, ist das Taxi barrierefrei?

Was heißt eigentlich „barrierefrei“? Diese Frage muss man (sich) als Mensch ohne Handicap stellen. Vor allem, wenn man als Theater allen Menschen die Teilhabe an Kultur ermöglichen will. Und speziell, wenn man mit HEY, HEY, HEY, TAXI! eine „relaxed performance“ plant, die per Definition so inklusiv wie möglich gestaltet sein soll.

Unsere Dramaturgin Rica Hohmann und die Leiterin der Theaterpädagogik Lisa Becker haben deshalb den Kontakt zur Bruchsaler Agenda-Arbeitsgruppe Menschen mit und ohne Handicap gesucht.

Bereits am 28. Juli waren die beiden bei einer Arbeitssitzung der Arbeitsgruppe zu Gast, der „Gegenbesuch“ erfolgte nun am 11. September. Mitglieder der Arbeitsgruppe untersuchten dabei das theater treppab auf offensichtliche Schwächen im Bezug auf die Barrierefreiheit.

 

Ortstermin im theater treppab mit (von links nach rechts):
Michael Berger, Jürgen Weick, Ingrid Amann und Lothar Holzer

 

Mobile Rampen? Nette Idee.

Ein Beispiel: Wir haben gelernt, dass mobile Rampen für Rollstühle eine nette Idee sind. Die Konfrontation mit der Realität überleben sie allerdings nicht. Bei einem Rollstuhl verhakt sich der Kippschutz, beim anderen sind die Radstände zu unterschiedlich, und mit dem Elektro-Rollstuhl sind die Rampen gar nicht befahrbar. Auch Rampenneigung, Wendekreise, Gewicht und Maße sind zu beachten. Da hätten wir auch selbst drauf kommen können? Vermutlich. Aber drei verschiedene Rollstuhl-Modelle live und vor Ort testen zu können ist eben doch besser.

Nach einem etwa 20-minütigen Auszug des Stücks bekamen wir auch zum Bühnengeschehen wertvolle Rückmeldung: Wird zu leise gesprochen? Zu schnell? Sind Musikeinsätze vielleicht zu plötzlich? Kann man alles gut sehen? Gibt es problematische Lichtwechsel? Sind die verschiedenen Sitzgelegenheiten wirklich hilfreich, zum Beispiel für Menschen mit chronischen Schmerzen?

Viele der Anregungen konnten wir zur Premiere am 21. September bereits umsetzen, bei anderen wird es noch etwas dauern.

 

Szenenfoto aus HEY, HEY, HEY, TAXI! mit Tizian Steffen & Annamae Endtinger.
Foto: Sonja Ramm


Auf dem Weg zur Selbstverständlichkeit

Worüber wir uns besonders gefreut haben, war die spontane und herzliche Bereitschaft der Arbeitsgruppe, uns zu unterstützen und zu beraten. Wir als Mieterin im Bürgerzentrum müssen immer navigieren: Was müsste vor allem baulich gemacht werden? Was können wir selbst entscheiden? Und als Kulturinstitution mit den bekannt knappen Budgets: Welche Maßnahmen können wir uns leisten?

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben uns völlig unvoreingenommen an diesem Punkt abgeholt und Empfehlungen ausgesprochen, die zu diesen Rahmenbedingungen passen. Und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Auch das hat uns sehr gefreut.

Wir sollten eines nicht als selbstverständlich erachten: Dass Menschen mit Handicap „einfach so“ ihre Zeit investieren, um uns zu beraten. Immerhin handelt es sich um eine Art Expert*innenberatung zur Erreichung von etwas, das selbstverständlich sein sollte: größtmögliche Barrierefreiheit für alle Menschen.

Für uns war und ist dieser Austausch sehr wichtig, denn wir wollen die Badische Landesbühne perspektivisch insgesamt barrierefreier und inklusiver gestalten.

Wir bedanken uns für den produktiven Austausch und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit auf dem Weg dorthin.

 


Weiterführendes Material:

Flyer der Agenda-Arbeitsgruppe Menschen mit und ohne Handicap (klick zum Download)

Die Arbeitsgruppe auf der Seite der Stadt Bruchsal

Möglichkeiten zur Mitarbeit in der Engagement-Börse

Checkliste „Barrierefreie Veranstaltungen“ der Aktion Mensch

Die Produktion HEY, HEY, HEY, TAXI! Mit Infos und Terminen