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© Sonja Ramm

Mädchen mit Hutschachtel

Dokumentartheaterstück von Lisa Sommerfeldt

Der 22. Oktober 1940 ist einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Bruchsals: In den frühen Morgenstunden wurden beinahe alle Bruchsaler Jüdinnen und Juden verhaftet. Sie wurden durch die Stadt zum Bahnhof getrieben und von dort in das Internierungslager Gurs deportiert.

Das Ereignis wurde in einem noch heute erhaltenen NS-Propagandafilm mit dem Titel Bruchsal judenfrei! Die letzten Juden verlassen Bruchsal festgehalten. Darin ist unter vielen Menschen ein Mädchen mit einer Hutschachtel zu sehen.

Angeregt von Intendant Carsten Ramm und seinen Fragen „Wer war dieses Mädchen?“ und „Was ist aus ihr geworden?“ haben sich die Autorin Lisa Sommerfeldt und die Dramaturgin und Regisseurin Petra Jenni auf Spurensuche begeben und herausgefunden, dass es sich dabei um die heute in den USA lebende 94-jährige Edith Leuchter (geb. Löb) handelt. Sie war 13 Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter nach Gurs verschleppt wurde. Ihr kleiner Bruder Heinz war zu dieser Zeit in einem Kinderheim in Frankfurt, ihr Vater bereits in den USA. Edith wurde aus dem Lager befreit und musste unter falschem Namen in einem fremden Land untertauchen. Nach dem Krieg gelang es ihr, nach New York auszuwandern. Heinz und ihre Mutter wurden in Auschwitz umgebracht.

Lisa Sommerfeldt hat für die Badische Landesbühne ein Dokumentartheaterstück über das Schicksal von Edith Leuchter und ihrer Familie geschrieben. Basierend auf Interviews, Briefen, Gerichtsakten und anderen Zeitdokumenten erzählt Mädchen mit Hutschachtel die Geschichte einer der letzten noch lebenden Bruchsaler Holocaustüberlebenden und macht eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte für „Nachgeborene“ erfahrbar. In einer Zeit, in der Nationalismus und Rassismus wieder erstarken, muss die Erinnerungskultur lebendig gehalten werden. Denn das, was Edith und ihrer Familie und Millionen von anderen Jüdinnen und Juden angetan wurde, darf nie wieder passieren.


Dauer
1 Stunden 35 Minuten

keine Pause

Altersempfehlung
ab 14 Jahren

Uraufführung 13. Oktober 2022

-

DVD (Vorstellungsmitschnitt):
Laufzeit: 91 Minuten
Sprache: Deutsch
Preis: 12 €

Infoblatt

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Besetzung

Inszenierung: Petra Jenni

Bühne: Tilo Schwarz

Kostüme: Kerstin Oelker

Edith: Hannah Ostermeier

Heinz/Fritz/Kurt: Frederik Kienle

Julie/Regine/Debbie: Magdalena Suckow

Max/Maria/Frank/Julie: Kim Vanessa Földing

  © Sonja Ramm
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Nächste Termine


Fr, 13.10.2023
11.00 Uhr
Bruchsal
Exil Theater
11.00 Uhr | Exil Theater
Fr, 02.02.2024
11.00 Uhr
Bruchsal
Exil Theater
11.00 Uhr | Exil Theater
So, 04.02.2024
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Mo, 05.02.2024
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11.00 Uhr | Hofenfels-Gymnasium
Di, 06.02.2024
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11.00 Uhr | Donnersberghalle
Mi, 07.02.2024
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Pirmasens
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11.00 Uhr | Festhalle
Do, 08.02.2024
14.00 Uhr
Remchingen
Zentrum am Kreisel
14.00 Uhr | Zentrum am Kreisel

Mädchen mit Hutschachtel ist eine eindrückliche Inszenierung geworden, die nicht mit Betroffenheiten agiert, sondern auffordert, Haltung zu beziehen. Lisa Sommerfeldt ist dabei ein Stück gelungen, das trotz oder wegen seines engen regionalen Bezugs auch anderswo nachspielbar ist: eine solche Geschichte hat sich 1940 nicht nur in Bruchsal ereignet.

Manfred Jahnke / Deutsche Bühne

13.10.2022

Bei den Zuschauern hinterließ die Aufführung Bestürzung und Bewunderung gleichermaßen. Einer stillen Sekunde der Betroffenheit folgte lang anhaltender Beifall, der in begeisterten Bravo-Rufen mündete.

Angela Portner / RNZ

14.03.2023

Mädchen mit Hutschachtel überzeugt als klar erzählte Zeitgeschichte und berührt und beklemmt mit einfachen Mitteln. Das Stück schafft Bilder und Szenen, die lange nachwirken.

Dagmar Oltersdorf / Schwäbische Post

24.05.2023

Vom Holocaust erzählen und dafür Bilder finden – geht das überhaupt? Das Stück setzt auf eine besondere Perspektive. Und trifft den passenden Ton.

Susanne Schütz / Rheinpfalz

06.02.2024